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Bedburg

Winnetou in Weilers „Scala“ gucken

Diese kleine Geschichte hatte ich damals, am 6.2.2014, bei 2Bier.de zum Anlass des 85. Geburtstages von Pierre Brice geschrieben. Heute wissen wir, er hat uns keine eineinhalb Jahre später für immer verlassen. Dieser große Held meiner Kindheit und der von Hunderttausenden anderer Kids in den 1960er Jahren. Erst vor Kurzem starb der Komponist Martin Böttcher, dessen Melodien untrennbar mit den Karl – May – Geschichten verbunden bleiben werden.

Winnetou-Darsteller, Pierre Brice, ist heute 85 Jahre alt geworden. Herzlichen Glückwunsch und alles Gute für den bevorstehenden Umzug von Frankreich nach Deutschland.

An diesem Sonntag war das Kino bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein Parkett-Sitzplatz für die Jugendvorstellung kostete 1 Mark. Um 15 Uhr ging’s los. Das war 1965. Für den Film Winnetou III war kein Platz mehr zu bekommen. Ausverkauft! Und ich war zu spät. Das durfte, das konnte einfach nicht sein. Der Weg vom Sonnenhof bis zur Scala war aber zu Fuß doch ganz schön weit.

Das Ehepaar Weiler betrieb damals eines der beiden Kinos in Bedburg. Für die Kids, die keinen Sitzplatz mehr bekommen hatten und die jetzt mit langen Gesichtern dastanden, stellten sie kurzerhand ein paar Wohnzimmerstühle ins Kino. Für einige von uns reichte das zusätzliche Platzangebot – zum Glück auch für mich. Andere hatten weniger Glück. Sie standen auf den Fluren des Kinos und warteten auf das Ende der “Winnetou„- Triologie. [1]. Keiner von uns ahnte, dass der kommerzielle Erfolg später noch zu einem vierten Winnetou- Film führen würde. Das war erst 1998. Dieses Filmgenre war zu dieser Zeit für mich nicht mehr interessant. 😆

Erlaubt war die „Sonderbestuhlung“ vermutlich schon damals nicht (der deutsche Brandschutz etc.). Meine Freunde und ich hatten Gott sei Dank Herrn und Frau Weiler, die uns ermöglicht haben, sitzend dabei zu sein. Solchen Andrang bzw. so volle Kinos kennt man, glaube ich, heute längst nicht mehr. Ich erinnere mich, dass es in den 1970er Jahren noch einmal einen Film gab, der ähnliche Begeisterung ausgelöst hat. Er hieß: „Saturday Night Fever„. Hauptdarsteller war ein gewisser John Travolta.

Einen Starrummel, der auch mit der heutigen Hysterie zu vergleichen gewesen wäre, gab es damals wohl noch nicht. Obwohl… einen Starschnitt von Pierre Brice und Lex Barker gab es in der Bravo auch damals schon. Auch in meinem Zimmer hing ein Riesenposter mit Pierre Brice.

Damals, als nicht mal 12jähriger waren die Karl-May-Filme für uns das etwas ganz Wunderbares. Wir waren fasziniert, die Figuren der Filme waren unsere Idole. Übrigens einschließlich Sam Hawkens, alias Ralf Wolter.

Kroatien Drehort Karl May
Kroatien

Die Filme spielten auch für damalige Verhältnisse enorm viel Geld ein. Über 10 Mio. Zuschauer sollen die Filme gesehen haben. Winnetou III war 1965 der erfolgreichste Film in Deutschland. Übrigens wurde Winnetou I mit einem für damalige Verhältnisse hohen Aufwand gedreht. Es wurden beispielsweise 50.000 Statisten bei den Dreharbeiten eingesetzt. Für Deko und Reiterei alleine wurden 600.000 Mark ausgegeben. Gemessen an Hollywood – Orgien ist das bescheiden aber für den Film eines deutschen Produzenten war das sehr viel Geld. Gedreht wurde der Film übrigens im damaligen Jugoslawien (Dalmatien).

Die gekünstelten Dialoge, die gedrechselten Sätze passen nicht mehr in unsere heutige Zeit. Ich muss mitunter wirklich lachen, wenn ich mir heute Szenen aus den Filmen ansehe, die für mich damals das Größte überhaupt gewesen sind. Aber das passiert nicht nur bei Karl-May-Filmen, sondern bei vielen anderen alten Filmen auch.

Egal, eine schöne Erinnerung sind alle Karl-May-Filme (und natürlich auch die Bücher) bis heute für mich geblieben.

Und der allertollste der Filme war für mich immer Winnetou I. Es gab davor schon die Verfilmung “Der Schatz im Silbersee”, den ich selbstverständlich auch schon gesehen hatte und der sicher ein bisschen auch den Grundstock für unsere hohen Erwartungen für den neuen Film geweckt hatte.

Wichtig waren Pierre Brice und Lex Barker. Die anderen Schauspieler waren eher Nebensache. Sam Hawkens, alias Ralf Wolter mal ausgenommen. Dabei war auch Götz George dabei. Schimanski war noch in weiter Ferne *lol*. Außerdem waren Herbert Lom, Karin Dor, Eddi Arent, und Marianne Hoppe dabei. Allesamt waren sie bekannte Schauspieler ihrer Zeit, Lom sogar ein Weltstar. Er spielte zum Beispiel in Tolstoi-Verfilmung von “Krieg und Frieden” Napoleon Bonaparte.

Mit den ersten Erfolgen der Karl-May-Verfilmungen wurde ein regelrechter Hype ausgelöst. Die Kinovorstellungen waren immer ausverkauft. Sicher, es gibt auch heute noch begeisterte Fans. Man denke nur an Harry Potter oder die fantatische „Herr der Ringe“-Verfilmung. Aber Winnetou war einfach ganz besonders.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb damals in einer Kritik:

„WINNETOU 3. TEIL ist technisch perfekt gemacht, die pyrotechnischen ebenso wie Unterwasserszenen imponieren, wie die Ritte, die katzenhafte Geschmeidigkeit Winnetous oder die Art und Weise, wie Old Shatterhand gleichzeitig dreizehn Feinde im Nahkampf knock-out schlägt. Das gereichte jedem Western zur Ehre.“

Das halte ich für etwas übertrieben. Nur 3 Jahre nach Winnetou III kam ein richtiger Western in die Kinos. Er hieß „Spiel mir das Lied vom Tod„. Und der wurde in einem Kino in Köln über viele Jahre gezeigt. Ich kann mich gar nicht erinnern, ob es je einen Film gegeben hat, von dem man das ebenfalls sagen könnte.

Darsteller Winnetou I:
Old Shatterhand – Lex Barker
Winnetou – Pierre Brice
Santer – Mario Adorf
Nscho-tschi  – Marie Versini
Sam Hawkens  – Ralf Wolter

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Von HorstSchulte

Ich bin Rentner und schreibe hier hobbymäßig ein bisschen über die Themen, die mich schon immer interessiert haben und zu denen ich nicht immer nur leicht verdauliche Ansichten vertrete. Ich verorte mich selbst politisch im linken Spektrum. Mit nationalkonservativen Sichtweisen mochte ich mich nie anfreunden, obwohl auch ich unser Land sehr liebe.

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